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Lieber Xiao Lang,
das finde ich eine ganz tolle Idee von Dir, hier einen Feedback-Thread zu eröffnen. Deine Rückmeldung ist für mich sehr wertvoll, da ich selten bis nie so dezidiert Kritik erhalte.
Ich werde Deinem Wunsch, Deine Aussprache mehr zu korrigieren sehr gerne nachkommen. In der Tat korrigiere ich normalerweise nur in Phonetikübungen strikt und in anderen Situationen lediglich, wenn es dem Verständnis dient. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich durch die Korrekturen den Rede- und insbesondere Gedankenfluss nicht unterbrechen will. Außerdem möchte ich auch niemanden frustrieren, denn die Aussprache ist am Anfang wirklich keine leichte Sache. Da muss sich das Gehör und Gehirn erst einmal drauf eingrooven. Zum anderen habe ich aber auch die Erfahrung gemacht, dass sich die meisten Leute durch mäßiges, aber regelmäßiges Üben enorm verbessern.
Weißt Du, in der Vergangenheit habe ich immer genau Deine Meinung vertreten, dass man Phonetik am besten anhand bekannter Wörter und Sätze übt. Inzwischen bin ich jedoch der Ansicht, dass systematische Übungen zu Tönen, An- und Auslauten sehr fruchtbar sind, um sich sämtliche Aspekte und z. T auch (Zungen)Techniken der chinesischen Aussprache wirklich bewusst zu machen. Dabei spielen die Vokabeln natürlich keine Rolle.
Ich würde Dir gerne einen Kompromiss vorschlagen, indem wir einerseits die "Trockenübungen" beibehalten und andererseits zusätzlich vermehrt anhand von Dialogen üben. Ich denke, dass Dir die Zungenstellung beispielsweise bei Retroflexen besser im Gedächtnis bleibt, wenn Du sie explizit geübt hast. Oder meinst Du nicht? In Dialogen gibt es so viel zur Phonetik zu sagen, dass man sich unmöglich alles auf einmal merken kann.
Mehr Phonetikübungen gehen immer zu Lasten des kommunikativen Fortkommens. Da richte ich mich aber gerne nach Euren Wünschen. Je schöner die Aussprache, desto besser. Natürlich darf man dabei nicht die unterschiedlichen Dispositionen der Kursteilnehmer aus dem Auge verlieren, denn mit dem Hören ist das so eine Sache. Manche tun sich viel schwerer als andere. Da nutzt Kontinuität manchmal mehr als Intensität.
Einer meiner Kursteilnehmer, der Reniar, ist Neurophysiker(?), er kann dieses Phänomen so wunderbar erklären. Da habe ich schon einiges Interessantes gelernt. Falls Du hier liest, Reniar, vielleicht kannst Du ein paar Zeilen beisteuern, denn ich kann es nicht so gut bis gar nicht erklären.
Lieber Xiao Lang, mit meinen Ausführungen will ich Dir nur ein wenig meine Überlegungen und Erfahrungen schildern. Was Dich betrifft, werde ich in jedem Fall den Schwerpunkt verändern. Wir müssen sehen, ob die anderen das auch so wünschen und vertragen, dann können wir dem entsprechend den Unterricht umgestalten.
Auf jeden Fall möchte ich noch mal betonen, dass ich Dir für die Initiative dieser Diskussion sehr dankbar bin.
Viele Grüße
Thekla
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